ISO 14001:2015 veröffentlicht!

Am 15.09.2015 wurde die Revision der ISO 14001 durch die International Standard Organisation veröffentlicht. Wie bei der neunen ISO 9001 wurden mit der strukturellen und inhaltlichen Überarbeitung der Norm  die Anforderungen an Umweltmanagementsysteme  konkretisiert und um neue Anforderungen ergänzt. Oberstes Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung des Unternehmens. 

Dies sind die wesentlichen Änderungen und unsere Einschätzung:


1. Harmonisierung der High Level Structure (HLS) 

Der Aufbau der Norm wurde an die neue Grundstruktur für Managementsystemnormen angeglichen. Damit haben die ISO 14001, 9001 sowie die zukünftige 45001 für Arbeitsschutzmanagementsysteme bis 2017 die gleiche Struktur. Zudem wurde die Verwendung von Begriffen vereinheitlicht. 

 

Die Struktur bestehender Managementsysteme sowie die im Unternehmen verwendeten Begrifflichkeiten müssen nicht an die neue Norm angepasst werden.
Der Aufbau integrierter Managementsysteme wird durch die Deckungsgleichheit erleichtert.  

 

 

2. Betrachtung des Kontext der Organisation

Bei der Planung und Umsetzung ihres UMS müssen Unternehmen relevante Themen aus ihrem internen und externen Umfeld sowie die Erwartungen interessierter Parteien bestimmen, falls erforderlich berücksichtigen und fortlaufend überwachen.

 

Dem UMS kommt eine größere strategische Bedeutung zu, da eine nachweisliche Auseinandersetzung mit internen und externen Sachverhalten sowie den Anforderungen interessierter Parteien, soweit diese als relevant für das Unternehmen und sein UMS eingestuft worden sind, erfolgen muss. Derartige Themen müssen Umweltzustände mit einschließen. Die Abgrenzung relevanter und irrelevanter Anforderungen muss objektiv erfolgen und nachweisbar sein. Die Geschäftsführung wird damit noch stärker in die Planung und Umsetzung des UMS  involviert.  

 

 

3. Einführung eines risikobasierten Denkens

Die proaktive und vorbeugende Ausrichtung des Umweltmanagementsystems wird gestärkt, indem Organisationen die Risiken und Chancen für die Wirksamkeit und fortlaufende Verbesserung ihres UMS identifizieren, bewerten und kontrollieren müssen. Das Konzept der "vorbeugenden Maßnahmen" entfällt dadurch. 

 

Relevante Risiken und Chancen , in Verbindung mit den unternehmensspezifischen Umweltaspekten, bindenden Verpflichtungen und anderen ermittelten Themen und Anforderungen,  müssen bestimmt und kontrolliert werden. Dazu gehört auch die Bestimmung von möglichen Notfallsituation, einschließlich derer, die eine Umweltauswirkung haben können. Es sind grundsätzlich kein formelles Risikomanagement oder dokumentierte Risikomanagementprozesse erforderlich. Es darf keine einseitige Fokussierung lediglich auf Risiken erfolgen, Chancen sind ebenso zu berücksichtigen. Die Geschäftsführung muss Führung und Verpflichtung zum risikobasierten Denken zeigen und dieses Denken fördern.

 

 

4. Betrachtung des Lebenswegs

Zukünftig muss die Organisation die Umweltaspekte entlang des gesamten Lebenswegs ihrer Aktivitäten, Produkte und Dienstleistungen berücksichtigen. Der Lebensweg beginnt bei der Rohstoffgewinnung und schließt die Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Transport, Verwendung und Entsorgung ein.

 

Es wird keine Ökobilanz gemäß der DIN EN ISO 14040 (Rahmenbedingungen) bzw. 14044 (Anforderungen) gefordert. Es sind jedoch auch auf die Organisation wirkende Umweltaspekte (Input und Output) zu berücksichtigen. Kontrolliert bzw. beeinflusst werden müssen nun auch die wesentlichen ausgelagerten Prozesse.

 

 

5. Bindende Verpflichtungen 

Der Fokus auf die Einhaltung einschlägiger bindender (gesetzlichen) Verpflichtungen sowie Selbstverpflichtungen wurde gestärkt. 

 

Es liegt ein erhöhter Handlungsbedarf durch zunehmend strengere Gesetzgebung vor. Die Organisation muss bestimmen, inwieweit welche bindenden Verpflichtungen auf die Organisation zutreffen. Bindende Verpflichtungen (früher rechtliche Verpflichtung) müssen im Zusammenhang mit den Umweltaspekten identifiziert werden und im Zugriff sein. Diese Anforderung sollte nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden, sondern dient der Erhöhung der Rechtssicherheit (Umweltstrafen im öffentlich-rechtlich Bereich oder Privatrecht sind recht hoch).

 

 

6. Messung der Umweltleistung 

Die Norm hat den Schwerpunkt hinsichtlich der Verbesserungen vom Managementsystem auf die Umweltleistung verschoben. D. h., es geht u. a. darum Emissionen, Abwasser und Abfall messbar zu reduzieren. 

 

Schon bei der Festlegung „messbarer Umweltziele“ müssen Kennzahlen verwendet werden, an denen die Zielerreichung und die Umweltleistung gemessen werden können. Es werden höhere Anforderungen an die Bewertung der Leistung gestellt, inklusive der Notwendigkeit Kriterien und Kennzahlen festzulegen, um die Verbesserung der Umweltleistung zu analysieren und zu bewerten. Eindeutige Regelungen zur Überwachung und Messung der Verbesserung der Umweltleistung sind festzulegen: was, wie und wann ist zu überwachen und zu messen.

 

 

7. Mehr Freiheiten bei der Dokumentation

Unternehmen können und sollen zukünftig noch flexibler  bestimmen welche Form und welcher Umfang an Dokumentation für die Wirksamkeit des UMS notwendig ist. In diesem Zusammenhang wurde auch die Forderung nach einem Handbuch oder Verfahrensanweisungen aus der Norm gestrichen.  

 

Dies ist kein Freibrief dafür, in Zukunft nichts mehr dokumentieren zu müssen! Die Norm enthält weiterhin viele konkrete Forderungen nach dokumentierten Informationen und verlangt, dass die Wirksamkeit des UMS durch weniger Dokumentation nicht eingeschränkt wird. Gleichwohl wird die Nutzung aktueller Technologien ermöglicht und gefördert. Die sechs zu dokumentierenden Verfahren werden nicht mehr gefordert.

  

Sollten Sie weitere Fragen zur neuen ISO 14001 haben, sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam erarbeiten wir, welcher Handlungsbedarf besteht und wie die neuen Anforderungen praxisorientiert umgesetzt werden können.

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